Richard Wagner

Götterdämmerung

23.04.2017
Musikalische Leitung:
Alexander Joel
Inszenierung:
Uwe Eric Laufenberg
Bühne:
Gisbert Jäkel
Kostüme:
Antje Sternberg
Mit:
Siegfried | Andreas Schager * Gunther | Matias Tosi, Samuel Youn * Alberich | Thomas de Vries * Hagen | Shavleg Armasi, Albert Pesendorfer * Brünnhilde | Catherine Foster, Sonja Gornik, Evelyn Herlitzius * Gutrune | Sabina Cvilak * Waltraute / Erste Norn | Bernadett Fodor * Zweite Norn | Silvia Hauer * Dritte Norn | Sabina Cvilak * Woglinde | Katharina Konradi, Gloria Rehm * Wellgunde | Marta Wryk * Flosshilde | Silvia Hauer
Orchester:
Hessisches Staatsorchester Wiesbaden
Termine:

23. April 2017
01., 28. Mai 2017
05. Juni 2017
24. September 2017
21. Oktober 2017
14. Januar 2018
24. März 2018
21. Mai 2018

Rezensionen:

Es war eine der Großtaten des damals noch neuen Linzer Musiktheaters und seines Intendanten Rainer Mennicken, ein halbes Jahr nach Eröffnung gleich zum Schwierigsten anzusetzen, was ein Opernhaus zu leisten vermag: Richard Wagners vierteiligem „Ring des Nibelungen“, der zwischen 2013 und 2015 Premiere hatte. Das Ergebnis war in Details umstritten, wurde aber zu Recht viel beachtet. Und da der Regisseur Uwe Eric Laufenberg mittlerweile Intendant in Wiesbaden ist, hat er sich die einzelnen Teile des Werks nach und nach in sein Theater „hinüber geholt“. So, dass der Zyklus komplett war, um die renommierten „Maifestspiele Wiesbaden“ in diesem Jahr zu eröffnen.

Laufenberg sieht Richard Wagners großen Mythos nicht als die Götter-Riesen-Zwerge-Menschen-Geschichte im Vergangenheits-Look, sondern quasi als Schale, in die er die reale Menschheitsgeschichte „hineingießen“ kann, um von Hoffnung und Enttäuschung, Traum und Wirklichkeit, Utopie und Untergang zu erzählen. Dabei bedient er sich gänzlich heutiger, ideologischer wie digitaler Mittel — ohne Videos wäre der Abend nicht zu denken.

Visionen von Krieg und Untergang und Trump

Wotan am Konferenztisch und Siegfried, der behände mit dem Tablet agiert, zwischendurch als Bankdirektor. Die Nornen agieren nicht mehr mit dem Seil des Schicksals, sondern mit Laserstrahlen. Dazu kommen immer wieder schreckliche Visionen von Krieg und Untergang (in die — im Gegensatz zu Linz — nun auch immer wieder das Gesicht von Donald Trump hineingeschnitten wurde), da gibt es Szenen von geradezu verstörender Intensität.

Es ist kein „Ring“ aus einem Guss, aber ein spannender, der in Wiesbaden auch „festspielmäßig“ besetzt war. In Evelyn Herlitzius, Bayreuth-geeicht, bietet man eine der weltbesten Brünnhilden auf, eine strahlende junge Frau mit Erlöserqualität. Phänomen war der Niederösterreicher Andreas Schager, derzeit bewunderter Star der Wagner-Sänger-Szene: Er sang zweimal den Siegfried und den Siegmund, also drei der anspruchsvollsten Heldentenorrollen innerhalb von fünf Tagen, und er tat es mit einer Stimmkraft, Hingabe und Unermüdlichkeit, dass er wohl Träume erfüllte. Stark auch der Rest der Besetzung (...).

Der Linzer „Ring“ hat Wiesbaden Glück gebracht und erntete bei einem begeisterten Publikum den schrankenlosen Jubel, den er verdiente.

Renate Wagner, Neues Volksblatt (Österreich), 03.05.2017, 19.05.2017
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