Michel Houellebecq | Textfassung: Anna-Sophia Güther & Laura Weber

Unterwerfung

14.09.2017
Inszenierung:
Uwe Eric Laufenberg
Bühne:
Matthias Schaller
Kostüme:
Anne Buffetrille
Mit:
Tom Gerber
Termine:

14. September 2017 - Premiere
20. Oktober 2017
16. November 2017
6. / 14. / 27. Dezember 2017
5. / 25. Januar 2018
Weitere Termine unter www.staatstheater-wiesbaden.de

Rezensionen:

Tom Gerber ist so selbstverständlich François, dass der Zuschauer auch bald Bescheid weiß. Der Typus ist uns wohlbekannt. [...]. Das Bezwingende liegt hier in François’ Bereitschaft zur Anpassung, nicht vorauseilend, aber mit übersichtlicher Bedenkzeit, und im Herausarbeiten des Phänomens, dass Intellekt und Ignoranz zuweilen gut miteinander auskommen.

Frankfurter Rundschau, Judith von Sternburg, 16.09.2017

Schon eine provozierende Dystopie, dieser Abgesang einer Gesellschaft, die ihre Werte verloren hat inmitten aller Irrwege der Freiheit. Das auf die Bühne zu bringen, ist eine Herausforderung. Uwe Eric Laufenberg, Intendant des Staatstheaters Wiesbaden, hat sie gelöst, in dem er das einzig Richtige getan hat: Diese komprimierte Schreckensvision, in der beides, der Einzelne und das große Europa, in einer großen Depression gefangen scheint, auf einen einzigen Schauspieler zu konzentrieren. [...]. Anderthalb packende Stunden lang hängt man Gerber förmlich an den Lippen, staunt über seine Wandelbarkeit, bewundert, wie er dieses enorme Textpensum seines Monologes zu einer plastischen, mitunter auch komischen Figur formt. Dieser Francois ist in der Wolle gefärbt: Ein Mensch. Eine grandiose Leistung, ein starker Theaterabend – gut platziert, so kurz vor den Wahlen. Zu Recht dafür Begeisterung beim Publikum im Kleinen Haus.

Wiesbadener Kurier, Birgitta Lamparth, 16.09.2017

Der ganze Abend steht und fällt also mit Tom Gerber als François, und dies ist, neben der klugen Beschränkung auf den eher persönlichen Kern des Romans, der wesentliche Grund für das begeisternde Gelingen dieser Adaption.Denn Gerber, anfangs im grauen Parka überm knittrigen braunen Cord-Anzug bringt die Figur mit all ihren Schwächen und Abgründen ganz dicht an uns heran. Mal wirkt er mit seinem genitalfixierten Frauenverschleiß mehr als abstoßend, dann wieder formuliert er messerscharf hellsichtig, wie seine Umgebung mit dem grundstürzenden Macht- und Kulturwechsel umgeht. Manchmal reicht eine in die Höhe gehaltene Brille, mal eine absichtsvoll achtlos übergestülpte Glatze, um eine Figur, deren Text er gerade spricht, zu kennzeichnen. Am Ende setzt er sich ein weißes Käppchen auf und zieht die schweren Schnürschuhe aus: Der Weg zur Konvertierung führt über den Hamam. Aus dem Erotomanen wird in der neuen Zeit ein braver Familienvater, dem künftig seine verschiedenen Frauen die lebensnotwendige Lust bereiten. Man nimmt Gerber diesen Wandel ab, weil er die abgrundtiefe Müdigkeit und den Lebensekel des Kopfmenschen zuvor ebenso glaubwürdig bis in die Körperhaltung hinein gezeigt hat. Natürlich setzt er immer wieder ironisierende Distanzmarken, doch gelingt es, das Interesse an dem Menschen François aufrechtzuerhalten und eben dadurch nachvollziehbar zu machen, was mit ihm und mit der ganzen Gesellschaft geschieht. Ovationen für das Produktionsteam, vor allem aber für den großartigen Tom Gerber.

FAZ, Matthias Bischoff, 16.09.2017

Gerber spielt sich furios durch die 90 Minuten, setzt an den entscheidenden Stellen auf feine Ironie, damit deutlich wird, dass es eine gewisse Logik hat, dass gerade ein Enttäuschter wie er durchaus zur Polygamie bereit ist, die die neue Regierung beschert. Garantiert das doch antrengungslosen Sex wie auch die Sicherheit, dass der gefürchtete Satz, den er von Frauen hörte, ›Ich habe einen anderen kennengelernt‹, so rasch nicht mehr fallen wird. Auch Laufenberg hat die Inszenierung fein austariert und scheint am Ende auf die Suche geplagter Großstädter nach Sinn und Erlösung zu verweisen.

Frankfurter Neue Presse, Astrid Biesemeier, 18.09.2017
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