Richard Srauss / Hugo von Hoffmannsthal

DER ROSENKAVALIER

29.10.2000
Semperoper, Dresden
Musikalische Leitung:
WA 2019: Omer Meir Wellber // Premiere 2000: Semyon Bychkov
Inszenierung:
Uwe Eric Laufenberg
Bühne:
Christoph Schubiger
Kostüme:
Jessica Karge
Mit:
Besetzung Wiederaufnahme 2019 u.a. => Feldmarschallin | Emily Magee - Baron Ochs | Peter Rose - Octavian | Christina Bock - Faninal | Markus Eiche - Sophie | Tuuli Takala /// Premierenbesetzung 2000: Sophie Koch, Angela Denoke, John Tomlinson, Hans-Joachim Ketelsen, Iride Martinez, Carsten Süß, Ursula Hesse, Andrea Ihle, Timothy Richards, Helmut Henschel, Jürgen Commichau, Jeanne Pascal Schulze, Karl-Heinz Koch, Gerald Hupach, Armin Ude, Rolf Tomszewski
Termine:

Spielzeit 2000.2001
Wiederaufnahme Spielzeit 2018.2019
27., 30. April 2019
05. Mai 2019

Rezensionen:

Laufenberg hat eine Verbeugung vor der Dresdner Uraufführungsinszenierung gemacht, aber auch etwas Neues gewagt mit seinem Konzept: er hat nämlich die konventionelle "Rosenkavalier"- Aufführungstradition mit Erfahrungen des modernen Künstler- und Divenkultes konfrontiert. Er hat die Kunstwelt des Wiener Rosenkavalier- Rokokos mit der heutigen Kunstwelt des betuchten Luxus- Eklektizismus unserer Tage konfrontiert. Er läßt den Voyeurismus der Boulevard- presse und die VIP- Geilheit der Fernsehästethik mit einfließen.

Und in diesem ironisch gebrochenen Spiel mit Rosenkavalier- Konventionen und einer Annäherung an unser zuende gegangenes Jahrhundert gelingt Laufenberg unter Verzicht auf Krinolinen und Fächer, Allongeperücken und Puder eine erfrischende, ehrliche, schmunzeln machende Lesart des Stückes, die seine Aktualität- wenn es denn eine hat, über die zu sprechen sich lohnt- nur unterstreicht.

Und da muß man dann auch der Kostümbildnerin Jessica Karge ein großes Kompliment machen: sie wagt den Spagat zwischen K& K- Monarchie, dem Heute und den Fünfzigerjahren. Mit Geschmack und Phantasie. Und brillanten Anleihen an die telegene Divenzeit Hollywoods.

MDR Kultur, Figaro, 30.10.2000

In Wahrheit ist Strauß nicht mit Ochs verwandt, sondern mit Faninal, dem reichen, bürgerlichen Kaufmann: Uwe Eric Laufenbergs am Sonntag in der Sächsischen Staatsoper vorgestellte Inszenierung hebt diese Aspekte sensibel und phantasievoll hervor. An liebevoller Personenführung und darstellerischer Virtuosität kaum zu überbieten, findet sie dennoch großartige Bilder für die eigentümliche Modernität des "Rosenkavaliers", seine berechnete Popularität.

Berliner Zeitung, , 31.10.2000

Zu den Geheimnissen des "Rosenkavaliers" zählt, daß in einer geglückten Aufführung die Zeit an einem vorbeifliegt, während man in Wahrheit vier Stunden in der Oper sitzt, Pausen inbegriffen. Zu den Paradoxien der Erfolgsoper gehört, daß dieser Eindruck weniger durch die mitreißenden Turbulenzen nicht enden wollender Walzerketten entsteht, als durch jene etwas eigentümlichen Stillstände, die Strauß einkomponiert hat: plötzliche, atemverschlagende Zeitlöcher, in denen alle Bewegung an ein Ende zu kommen scheint, in denen Schwung und Effekt jäh den Dienst versagen und die Musik sich anschickt, ihr ureigenstes Medium zu überwinden....

Uwe Eric Laufenbergs Inszenierung wirkt bezwingend. .... Der Regisseur scheint vielmehr zu dem Schluß gekommen zu sein, daß es nicht darum geht, der schillernden Vieldeutigkeit des Stückes eine bestimmte Aussage zu entlocken, daß deren Kern vielmehr grade im Changieren zwischen allen Formen und Stilen aufzusuchen sei. "Die Tiefe muß man an der Oberfläche verstecken", sagte Hoffmannsthal- und Laufenberg ist dies grandios gelungen.

In lebendiger detaillierter Personenführung vollführt er die Quadratur des Kreises: er hält die Stimmungen des Werks nuanciert und fluide zwischen Melancholie und Komik, zwischen Abstraktion, Stilisierung und fast naturalistisch ausgespielter Emotionalität. Noch in der Künstlichkeit etwa, mit der Sophie und der Rosenkavalier in der Umgebung der Faninals als Sissi- Film -Figuren für die Regenbogenpresse inszeniert werden, schwingt ein unschuldig Glücksgefühl mit wie echt falsch Haar. Selten hat man das Lerchenauische Gefolge derart debil und brutal gesehen- Fressen, Saufen, Vergewaltigen, Töten ist ihr ganzes Glück. Trotzdem wirken sie wie vorweltliche Gestalten aus dem Bilderbuch. Und die fünf blechern kläffenden Möpse im Lever der Marschallin fügen sich wundersam ins Bild wie ins Klangbild, als seien sie für die Szenerie eigens angefertigt worden.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.10.2000
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