Richard Strauss

Die Frau ohne Schatten

12.09.2014
Musikalische Leitung:
Zsolt Hamar
Inszenierung:
Uwe Eric Laufenberg
Bühne:
Gisbert Jäkel
Kostüme:
Antje Sternberg
Mit:
Der Kaiser | Thomas Piffka || Die Kaiserin | Erika Sunnegårdh || Barak, der Färber | Oliver Zwarg || Die Färberin | Nicola Beller Carbone || Die Amme | Andrea Baker || Der Geisterbote | Matias Tosi || Stimme des Falken / Hüter der Schwelle des Tempels | Heather Engebretson || Der Bucklige | Ralf Rachbauer || Der Einäugige | Christopher Bolduc || Der Einarmige | Benjamin Russel || Erscheinung des Jünglings | Aaron Cawley || Stimme von oben | Romina Boscolo
Chor:
Albert Horne, Christoph Stiller
Orchester:
Hessisches Staatsorchester
Termine:

Spielzeit 2014.2015
Internationale Maifestspiele 2015

Weitere Informationen:

Die Frau ohne Schatten - Trailer

Rezensionen:

Wenn Uwe Eric Laufenberg als neuer Generalintendant seine Amtszeit in Wiesbaden mit der "Frau ohne Schatten" beginnt, dann ist das ein Signal. Eine neue Ära soll beginnen. Und so wie er diese Strauss-Oper inszeniert hat, will er zeigen, in welche Richtung er das Musiktheater samt Stadtgesellschaft führen möchte. Er stellt das Stück nämlich vom Kopf auf die Füße. Bei ihm gibt es keinen Mystizismus, keine Feen und keinen Kaiser, dem man beim Versteinern zuschauen kann. Bei Laufenberg ist alles menschlich. [...]
Man spürt in jeder Szene, dass Laufenberg auch ein Theater-Regisseur ist, der als ausgebildeter Schauspieler selbst von der Bühne kommt und die Sänger für sein Spiel gewinnen kann. [...]
Aus der Märchenoper hat Laufenberg ein packendes Gesellschaftsstück gemacht. Die Versteinerung des Kaisers zeigt er als Versteinerung des Herzens. Der Kaiser argwöhnt, seine Frau könnte einen Geliebten haben. Darum lässt er einen Verdächtigen foltern und töten. Der Kaiser wird zum Diktator. In ihrem Dünkel sind die Vertreter aller Klassen und Schichten befangen. Die Verwandlung ist ein schwieriger Prozess. Für Empathie braucht es Mut und Moral. Nur dann kann sich ein friedliches und glückliches Gemeinwesen entwickeln – so verkündet es Laufenberg zum Auftakt seines Wirkens. Wir glauben ihm und seinen Künstlern gern.

Deutschlandfunk, 16.09.2014

Uwe Eric Laufenberg eröffnet die neue Spielzeit des Musiktheaters mit einem Paukenschlag. [...] Das Bühnenbild, so viel kann man schon zu Beginn der Spielzeit sagen, wird mindestens zu den besten der kommenden Saison zählen. [...] Antje Starnberg kleidet die Akteure in geschmack- und fantasievolle Kostüme, die die Rollen treffend charakterisieren. [...] In diesem spannungsgeladenen Rahmen fühlen sich die Akteure sichtlich wohl. Und sie zeigen eine Leistung, die eindeutig in die Spitzenliga gehört. Ob Andrea Baker als Amme, Färberin Nicola Beller Carbone oder Kaiserin Erika Sünnegårdh – die Damen scheinen geboren, um die Musik von Richard Strauss zu singen und zu spielen.
Michael S. Zerban

Opernnetz, 12.09.2014

Zunächst jedenfalls agierte das Staatsorchester eindrucksvoll,: sehr schön mit Straussischer Geschmeidigkeit und fast elegant, vom Kurorchester, das in früheren Zeiten bei dem Orchester oft durchklang, ist nichts mehr zu bemerken. Zsolt Hamar zeigte die Fähigkeit, die Riesenpartitur vorausblickend souverän zu disponieren, die dramatischen Akzente markant herauszumodellieren. Und in der wunderbaren nächtlichen Wächterszene die Stimmen, mit dem Orchesterklang subtil zu verschmelzen. Das hört man an größeren Opernhäusern kaum überzeugender. [...] Thomas Piffka lieh dem »Kaiser« einen hellen, heldisch-strahlenden und durchsetzungsfähigen Tenor, Erika Sunnegårdh sang die »Kaiserin« mit leuchtenden Soprantönen, schöner Linearität und besaß auch die stimmliche Ausdruckskraft, um die qualvolle Gewissensentscheidung der Frau überzeugend glaubhaft zu machen. Großartig auch das Färberpaar, die Gegenwelt der kleinen Menschen, die sich mühsam durchs Leben schlagen. Oliver Zwarg als der Färber Barak: hinreißend in der feinen psychologischen Durchzeichnung der Figur. Eine Studie des Leisen, Differenzierten, auch herrlich gesungen. [...] Nicola Beller Carbone bot als Färberin eine perfekte Verschmelzung von darstellerischer Durchzeichnung der komplizierten Figur mit ebenso differenzierter, gesanglicher Gestaltung. [...] Andrea Baker spielte und sang die Amme so locker und auch ein wenig konventionell, als hätte sie die Partie schon hundertmal dargestellt.
Gerhard Rohde

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.09.2014

Man kann es freilich als Qualität von Laufenbergs Interpretation werten, dass sie die Spannung zwischen »Rosenkavalier«-Duft, der doch auch noch durch die Partitur weht, und großorchestraler, mythischer Waberlohe aushält und szenisch fruchtbar macht. [...] Dafür ist natürlich auch der Bühnenbildner Gisbert Jäkel verantwortlich, der betörend schöne Bilder gefunden hat. [...] Bezwingend ist sogleich der Rahmen der ersten Szene, dessen kühle, grafische Klarheit mit der abgehobenen Sphäre des hohen Paares korrespondiert. In dieser Welt geht mit der Stimme Erika Sunnegårdhs buchstäblich die Sonne auf. Brillanz, Wärme, Kraft: Es ist alles da, was diese Partie braucht, bis hin zum steinerweichenden Gesang, mit dem die Kaiserin den zur Diktatoren-Büste petrifizierten Gemahl zurück ins Leben holt.
Volker Milch

Wiesbadener Kurier, 18.09.2014

Den Reigen mit einem Schwergewicht wie »Die Frau ohne Schatten« von Richard Strauss, noch dazu in eigener Regie, zu eröffnen, gleicht einem Kamikazeflug. Ein Haus dieser Größenordnung stößt dabei auch im laufenden Betrieb an seine absoluten Grenzen. Das verdiente Respekt und einen kleinen Vorschussbonus.
Und der Produktion gelang es, auch genau das richtige Maß zu finden: Sie begeisterte mit einer bis ins kleinste Detail ausgefeilten Personenregie, die nichts dem Zufall überließ.

Laufenberg kitzelte aus seinen Darstellern, je nach persönlicher Anlage, alles heraus, formte markante Charaktere und Typen, die ihre unmittelbare Wirkung nicht verfehlten. [...] Die technisch optimal genutzte Bühne (Ausstattung: Gisbert Jäkel) bot einen Raumhorizont von kongenialer Suggestivkraft.
J.-M. Wienecke

Opernglas, 26.10.2014

Zwar wartet der Regisseur durchaus mit einigen Ingredienzien des modernen Musiktheaters auf, präsentiert Gewalt und totale Nacktheit, schießt dabei aber nie über das Ziel hinaus und lässt genau das richtige Maß an Umsicht walten. Dass dieses Verfahren bei dem zahlreich erschienenen Auditorium auf Zustimmung stieß, belegt der herzliche Applaus, mit dem es Laufenberg am Ende bedachte.
Ludwig Steinbach

Der Opernfreund, 12.09.2014
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